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Apnoe

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Ein schöner Sommertag, ich bin 17 Jahre alt und bin mit zwei Freunden schwimmen gegangen. Das Schwimmbad war kurz davor zu schließen, kurz vor 18h, es war fast leer, da dachte ich mir: Ich versuche diesmal, das ganze 50 m Becken zu tauchen, denn bisher war ich bei 42m immer draußen. Ich habe damals viel mit Drogen und Alkohol herumexperimentiert, war aber trotzdem sehr sportlich. Ich machte bei meinen Freunden eine kurze Ansage und sah mit dem Augenwinkel den  Bademeister, der in der Ecke aufgeräumt hat. Ich sprang ins Wasser und holte mehrmals tief Luft, und als ich mich gut aufgebläht gefühlt habe, drang ich nach unten und fing an mich rhythmisch zu bewegen. Ich liebe es einfach zu tauchen, am Beckenboden entlang zu gleiten und den Wasserdruck zu spüren. Aber diesmal war etwas anders, denn ich wollte unbedingt das ganze Becken schaffen. Die Tage davor habe ich mich ausgiebig mit Nietzsches Zarathustra befasst und mir eingeredet, dass ich endlich auch mal einen Durchbruch haben muss und es mit meiner Identitätskrise endlich zu Ende ist, denn sie plagt mich noch vom letzten Sommer, wo ich rein zufällig auf Dostojewskis Schuld und Sühne gestoßen bin und nach diesem Buch war ich nicht mehr der einfache Jugendliche, ich bin zum ersten Mal in meinem Leben gestorben, drei Wochen später begann mein geistiges Leben. Ich bin in der Mitte des Schwimmbeckens angekommen, der Sauerstoff Vorrat in meiner Lunge schwindet, jetzt kommt der harte Teil. Ich bin in der Nähe der 42 m, die ich sonst erreiche und ich habe gar kein Sauerstoff mehr, was mich jetzt noch hält, ist der pure Wille. Ich gehe die letzten Meter an, es sieht gut aus, die Lunge wird dermaßen gequetscht, aber ich werde es schaffen. Meine Bewegung wird immer schneller und es sind noch 3 m, die mich vom Ziel trennen, also beginne ich leicht aufzutauchen und…
Es ist Mittag, die Sonne brennt auf der Haut, ich bin gerade im Schwimmbad angekommen, die Menschenmasse tobt, es ertönen Fanfaren, ich fühle mich so gut wie noch nie, mein Körper gleicht einem riesigen Body Builder, ich bin doppelt so groß wie ein gewöhnlicher Römer und sie sind so stolz auf mich. Von einer Tribüne aus grüßt mich Cäsar höchstpersönlich: Heil, dem kaiserlichen Taucher! Heil! Brüllt die Masse-.
Ich stolziere noch ein wenig umher und genieße die Aufmerksamkeit, dann begebe ich mich zum Beckenrand und alles ist still, sie verfolgen jeden Schritt mit großer Aufmerksamkeit. Ich hole wiederholt Luft und fülle meine Riesenbrust mit Sauerstoff, dann drang ich in die Tiefe ein und begann mit Leichtigkeit zu tauchen …
Als ich die Augen aufmachte, sah ich mehrere aufgebrachte Gesichter, aber am deutlichsten war das Gesicht des Bademeisters, der mich anscheinend wiederbelebt hatte, ich habe immer noch gezuckt und hatte auf einmal starke Kopfschmerzen, aber was mich am meisten gewundert hat, war das mein Körper so klein ist.
original erlebt  Nesha Nikolic

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