Ich hätte was sagen sollen…

Nesha Nikolic | 12:46 Uhr

Auf meinem Weg zum Waschsalon traf  ich einen alten  bekannten russischen Künstler,  er war in Begleitung mit seiner schüchternen kanadischen Freundin. Ich wohne nicht weit von dem Pärchen und eigentlich wollten wir uns schon seit langem mal treffen.

“Jetzt könnte ich euch besuchen!”

“Ok.Warum nicht!”,  sagte der Russe

“Wir wollten gleich spazieren gehen… “, sagte ganz nebenbei die Marie

“Marie hat heute Geburtstag!”,  erwähnte der Künstler

“Für mich ist das eher eine Negative Sache, aber wenn es dir was bedeutet, gratuliere ich dir deinen Geburtstag!”

Sie schwieg und ging. Wir gingen hoch und setzten uns in die gemütliche Küche.

“Hast du schon gefrühstückt?”,  sagte Marie

“Nein, weil ich erstmal nur Früchte esse und erst später Frühstücke…”

Sie schob ihre Schüssel mit Haferbrei vor mich und plötzlich wollte sie duschen.

Der Künstler und ich unterhielten uns über persönliche Sachen und unsere Arbeit. Ich berichtete über meinen Urlaub. Die Kanadierin kam ewig nicht zurück. Der Russe fühlte sich bedrückt, weil Sie ja heute eigentlich, den ganzen Tag mit ihm verbringen wollte. Ich aß den köstlichen Haferbrei vermischt mit Ahorn Syrup und Zimt Pulver. Irgendwann kam die Dame des Hauses und setzte sich, ihr Aussehen war verändert, sie hat sich schön gemacht, die Frage ist für wen, das wissen natürlich nur die Frauen, weil man ihren Aussagen darüber nicht wirklich trauen kann. Die Gesellschaft wirkt sich stark auf jede Frau aus, auch wenn sie einen unabhängigen Geist besitzt, wird sie in irgendeiner Form unterdrückt, so ist nun mal das Patriarchat…

Ich trank meine  grünen Tee und es herrschte eine ungemütliche stille im Raum.

“Ich lass euch allein!”, meinte sie angestrengt lächelnd.

“Nein, dass musst du nicht!”. “Ich habe deinen Plan durchkreuzt und werde gleich gehen, habe noch drei Schlücke Tee übrig.”

“Ich hätte was sagen sollen… “, sagte Marie und versuchte nett zu sein.

Sie schaute mich freundlich an, aber in ihrem inneren schien sie sehr unruhig zu sein.

“Weißt du…, bis vor zwei Jahren, habe ich auch nach Plan gelebt”, sagte ich, ” seitdem lass ich mich mehr auf die Situationen ein, die im Leben passieren,  dass bringt einerseits Lebhaftigkeit, aber manchmal passiert Scheiße…”

Sie senkte ihren Kopf und ihre Mundwinkel zitterten, als ob sie gleich anfangen würde zu weinen. Ich trank meinen letzten schluck vom guten grünen Tee und verabschiedete mich…

ORIGINAL Nesha Nikolic